News
Gemeinderatssitzung Pommelsbrunn vom 28.9.2017

Ein Baumhaushotel, der Neubau eines Kinderhortes an der Grundschule sowie ein ausführlicher Vortrag über Wald- und Forstwirtschaft in der Gemeinde Pommelsbrunn zählten zu den teilweise länger diskutierten Themen in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Der einzige, einstimmig als Investition in die Wasserversorgung genehmigte Bauantrag erfolgte „in eigener Sache“ und zwar handelte es sich um den ebenerdigen Zugang samt Reparaturarbeiten am gemeindlichen Hochbehälter Bürtel. Das anschließend behandelte Thema ließ aufhorchen. Im Gehrestal, auf einem Waldgrundstück in Richtung Heuchling, soll von privater Seite ein Baumhaushotel mit Hochseilpark errichtet werden. Im Einzelnen handelt es sich um fünf „Hotels“ im Wald, ein Gemeinschaftshaus mit sanitären Anlagen, Küche und Gemeinschaftsraum, ferner ein Haus für die Betreiber-Familie und Spielplätze.

Das Landratsamt hat eine grundsätzliche Genehmigung in Aussicht gestellt, fragte jedoch an, ob die Gemeinde bereit sei, den „erheblichen Koordinierungsbedarf“ in einem Bauleitplanverfahren durchzuführen. Bürgermeister Jörg Fritsch sah eine touristische Bereicherung für die Gemeinde. Franz Altmann/Grüne wollte wissen, wie sich dieses Vorhaben mit der dortigen Förderreuther-Quelle und einer eventuellen Notspeisung aus dieser vertrage. Die Quelle sei noch vorhanden und eine fortlaufende Beprobung der Wasserqualität wird weiterhin erfolgen, informierte der technische Leiter Erwin Bleisteiner. Klaus Haas/SPD hinterfragte den Aufwand, Fraktionskollege Manfred Loos die Betreiber und Renate Scharrer, ebenfalls SPD, wollte wissen, ob man die Kosten für das Bauleitplanverfahren den künftigen Betreibern belasten könne und somit nur die Verwaltungskosten bei der Gemeinde verblieben.

Peter Butters/Grüne sah das Vorhaben „sehr kritisch“. Grundsätzlich habe er nichts dagegen, aber doch nicht an dieser Stelle. Der 2. Bürgermeister Reinhard Weih unterstützte ihn; es sei ein ausgesprochen schwieriges Gelände, geologisch sehr instabil. Kurt Tausendpfund/CSU sah die Ruhe für die Anwohner gefährdet, Marcus Flemming/FW betonte dagegen die Möglichkeit, Familien die Natur nahezubringen. Nach einigem Hin und Her entschied man, zusammen mit der Antragstellerin einen geeigneteren Standort für Baumhotels und Co. zu suchen.

Die Fortschreibung des Flächennutzungs- und Landschaftsplans für den Ortsteil Stallbaum traf bei  Behörden und Trägern öffentlicher Belange auf keine Einwendungen. Die Räte votierten einstimmig für die Feststellung des Planes, die Kosten sind von den beiden Bauwilligen zu tragen.

Anschließend folgten viele Informationen zur Wald- und Forstwirtschaft, in die sich Dr. Steffen Taeger vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Forstrevierleiter Tobias Vorwieger teilten. Der Gemeindewald Pommelsbrunn wurde in allen Facetten durchleuchtet. Buchen und Eschen stellen den größten Anteil, dazu kommen fünf Prozent Eiche, zwölf Prozent Fichte und sieben Prozent Kiefer. Im Hinblick auf den Klimawandel sei man in einer guten Ausgangssituation. Als Grundsatz gelte: der Wald solle sich selbst tragen!

Die Fachleute nannten Zahlen zu Hiebsatz, Holzerlösen, Investitionen, Pflege und Pflanzung und beklagten, dass sich der Borkenkäfer stark vermehrt habe. Auch das Eschentriebsterben, verursacht durch einen Pilz, mache große Sorgen, vor allem in den Distrikten Bärenbrand, Windburg, Ulm und Pommelsbrunn. Rund um den Zankelstein sei zur Erschließung des Waldes ein Rundwegebau als Rückeweg geplant, Baubeginn in Kürze. Die Kosten beliefen sich auf 26 000 € bei 19.000 € Förderung, womit rund 16 Hektar an momentan nicht erschlossenem Gemeindewald nutzbar gemacht werden. Die Freistellung des Zankelsteins ergebe sich als positiver Nebeneffekt.

Auch Maßnahmen im Rahmen des Albtraufprojekts in Zusammenarbeit mit dem BN/Wengleinpark kamen zur Sprache. Nach der abschließenden Vorstellung der Jahresplanung 2018 stellte Bürgermeister Fritsch fest: „Wir wissen unseren Wald bei Ihnen in guten Händen“.

Zum Thema „Beitritt in den Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz“ (wir berichteten) hatte man sich bisher noch zu keinem Entschluss durchgerungen. Eine längere Diskussion, an der auch Geschäftsleiter Markus Gnan teilnahm, mündete dann in den einstimmigen Beschluss, in Form eines Tests bis Ende 2018 mitzumachen und Erfahrungswerte zu sammeln. Ein letzter Punkt – die Haushaltssatzung 2017, Beratung und Beschlussfassung über die Stellungnahme der Rechtsaufsichtsbehörde - wurde auf Antrag von Kurt Tausendpfund/CSU einstimmig in den Finanzausschuss verwiesen.

Die Planung des Kinderhorts an der Grundschule, bereits in der Mai-Sitzung dieses Jahres besprochen, ist ein Stück weiter gediehen. Architekt Arndt Kellner stellte im Gemeinderat den Planungsentwurf vor.

Bürgermeister Jörg Fritsch ging rückblickend darauf ein, dass zum Standort des Hortes seinerzeit ein Mehrheitsbeschluss gefasst worden sei. Die bisherige Zusammenarbeit bei der Kita „Arche Lichtenstein“ mit der Trägerschaft  der Kirchengemeinde Hohenstadt, vertreten durch Herrn Pfarrer Georg Pilhofer, sei sehr gut. Fritsch informierte über die Betreuungssituation an allen drei Standorten in der Gemeinde und betonte, dass man vor allem „Am Lichtenstein aus allen Nähten platze“. Man habe sich im Mai gegen einen Anbau und für einen Neubau mit 75 Betreuungsplätzen entschieden.

Heute gehe es um die grundsätzliche Frage der Trägerschaft für den neuen Hort. Pfarrer Pilhofer, der zur Sitzung gekommen war, erklärte, dass der Kirchenvorstand  die Übernahme der Trägerschaft zugesagt habe. Die Rückfrage von Kurt Tausendpfund/CSU zu einer diesbezüglichen vertraglichen Bindung wurde von Geschäftsleiter Markus Gnan mit „keine Befristung“ beantwortet.

Man wolle „nach vorne schauen“, so Pilhofer, welches Stichwort auch Bürgermeister Fritsch und Gemeinderat Franz Altmann/Grüne sofort übernahmen. Diese kryptische Äußerung klärte sich auf, als sich Winfried Mergenthaler/SPD zu Wort meldete. Im Vorfeld hatte es nämlich Unstimmigkeiten zwischen Gemeinde und Kita-Team samt Elternbeirat wegen der beiden Varianten zum Standort des Horts gegeben und dieses Thema sprach der SPD-Gemeinderat in einem längeren Wortbeitrag an.

„Ich würde nicht sagen: ‚Schwamm drüber‘“ so Mergenthaler. Er sei irritiert, dass Mitarbeiter der Kita gegen die Gemeinde arbeiteten, Stichwort „Unterschriftensammlung“. Immerhin sei die Differenz zwischen beiden Varianten von 400.000 € „kein Pappenstiel“ und es gebe auch andere Träger. Pilhofer, zum damaligen Zeitpunkt erkrankt, warf ein, dass er es auch nicht hätte verhindern können, dass „die Damen (d.h. das Kita-Team) in der Nacht einen Brief mit heißer Feder aufsetzen“. Sowohl er als auch der Kirchenvorstand wollten sich jedoch von der Unterschriftensammlung distanzieren. Um die vergangenen „Irritationen“ nun  klar zu stellen, kündigte Fritsch an, in Kürze ein gemeinsames Schreiben mit Pfarrer Pilhofer an die Eltern herauszugeben.

Marcus Flemming/FW fand den Redebeitrag des Vorredners zu scharf; man solle es jetzt dabei bewenden lassen. Mergenthaler wollte zwar „keinen Gang nach Canossa“ antreten, doch letztendlich wurde die Trägerschaft der ev. Kirchengemeinde Hohenstadt einstimmig beschlossen.

Damit war der Weg frei für Architekt Arndt Kellner, der sich zusammen mit Evelyn Kittel-Kleigrewe vom Amt für Familie und Jugend der Planung widmete. Letztere sah eine „Königslösung“ für den Hort und fand viele lobende Worte für die Gemeinde sowie alle Kita-Leitungen. Auch sie sprach die Differenz von

 400 000 € an; sie selbst sei schließlich dafür eingesetzt, Steuergelder gut zu koordinieren.

Kellner erklärte dann Einzelheiten des Hort-Plans. Zugang sei über einen Windfang, das Büro der Leitung habe Einblick in den Eingangsbereich. Küche mit großem Essbereich, WCs und Gruppenräume mit Glasflächen, aus denen man direkt in Freie komme sowie ein Terrassenbereich und ein Technik-Raum komplettieren das Ganze. Der Hort ist barrierefrei, in Holzbauweise, hat ein Pultdach und eine spätere Erweiterung (Rückfrage durch Kurt Tausendpfund/CSU) ist gut umsetzbar. Letztere wäre dann auf der gleichen Ebene, nicht durch Aufstockung. Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage (Rückfrage durch Franz Altmann/Grüne). Die Bauzeit würde ein Jahr betragen, die Gesamtkosten, welche Peter Butters/Grüne ansprach, liegen bei 1,6-1,7 Mio. €.

Kittel-Kleigrewe ergänzte, dass zwei der Gruppenräume durch eine Schiebetür getrennt seien und man auf „Funktionalität ohne Schnick-Schnack“ geachtet habe. Sie sprach auch noch Geburtenzahlen an und die Tatsache, dass wegen der hohen Mieten eine „Entstädterung“ stattfinde. 2. Bürgermeister Reinhard Weih meinte abschließend, man solle den Plan wegen der Ausschreibung und Auftragsvergabe möglichst schnell einreichen.

Helga Manderscheid

Bild: Grundriss des Kinderhorts



weitere Meldungen: Gemeinde Pommelsbrunn

Fenster bitte wieder schliessen