Allenthalben werden die Hauptschulen wegen wegbrechender Schülerzahlen zum Problem. Müssen bald mehrere Schulgebäude in der Region geschlossen werden? Der Schulverband Pommelsbrunn-Weigendorf will seine Hauptschule erhalten, weshalb sich die Ratsgremien beider Gemeinden zu Information und Meinungsaustausch dort trafen, wo es momentan brennt: In der Aula der Hauptschule Hartmannshof.
Zweiunddreißig Räte saßen am langen Tisch, zusammen mit den Bürgermeistern Jörg Fritsch (Pommelsbrunn) und Georg Schmid (Weigendorf) sowie Rektor Markus Drexl. Auch die Schulamtsdirektoren Hans-Joachim Jenchen und Wolfram Kriegelstein von den Staatlichen Schulämtern Nürnberger Land bzw. Ansbach waren gekommen, außerdem Grundschul-Rektorin Brigitte Pötzsch und Geschäftsleiter Bernd Bogner aus Pommelsbrunn. Wie Fritsch eingangs anmerkte, sprächen die Schülerzahlen ihre eigene Sprache. Waren es 2002 noch 188 Schülerinnen und Schüler, so ist diese Zahl auf rund 90 in 2009/10 gesunken; das ist ein Rückgang von über 50 Prozent.
Bevor die Staatsregierung das neue Ziel einer Mittelschule ins Auge gefasst habe, so fuhr er fort, strebte man einen Schulverbund mit Happurg und Engelthal an. Die im Kultusministerium geführten Gespräche „fielen aber nicht auf fruchtbaren Boden“. Wahrscheinlich sei damals die Mittelschule “schon in den Hinterköpfen gewesen“. Die bayerischen Gesamtzahlen spiegelten übrigens die hiesige Situation getreulich wieder, wobei in den kommenden zehn Jahren mit einem weiteren Rückgang um 25 Prozent gerechnet wird. „Wir wollen unsere Hauptschule hier erhalten, das ist uns ganz wichtig“ bekräftigte auch Schmid nach seiner Begrüßung die Ausführungen seines Vorredners, verwies aber auch auf die zurückgegangenen Geburtenzahlen.
Jenchen, der bat, nicht über „systemische Zwänge“ zu diskutieren, führte anschließend Folien vor, aus denen demographische Veränderungen, Übertrittsverhalten und andere Tatsachen hervorgingen. Das schlechte Image der Hauptschulen bestehe zu Unrecht und sei auf wenige Ausnahmen beschränkt. Auch wenn Schulverbünde kein Allheilmittel seien, wolle das Schulamt unbedingt den ländlichen Raum stärken, denn “wenn eine Schule vor Ort nicht mehr vorhanden ist, verliert eine Gemeinde ein Stück weit ihre Attraktivität.“ Und wie soll ein „eigenverantworteter Schulverbund“ dann funktionieren? Jenchen erklärte dazu die beiden tragenden Säulen, nämlich die „Kooperationsvereinbarung“ sowie die „kommunale Zweckvereinbarung der Schulaufwandsträger“. „Geben und nehmen“ heiße die Devise. Beim Verbund könne zwar nicht mehr jeder Hauptschüler in den nächstgelegenen Ort fahren, bleibe aber bei der gleichen Schule bis zum Schulende. Die Planung erstrecke sich auf fünf Jahre und wenn die Muster-Zweckvereinbarung vorliege, dann könne man an die Verteilung der Kosten gehen. Natürlich müsse der Schulverbund, der dann das Prädikat „Mittelschule“ trage, auch Mindestangebote vorweisen. Dazu gehören die berufsorientierten Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales, ein Ganztagsangebot und das Angebot zum mittleren Schulabschluss auf dem Niveau der Wirtschafts- und Realschule.
Drexl, der die Ausführungen immer wieder um Praxisbeispiele ergänzte, sprach insbesondere an, dass wahrscheinlich die Einzügigkeit (alle Klassen von 5 bis 9 müssen vertreten sein) seiner Schule nicht erhalten bleiben könne und befürchtete ganz konkret die baldige Schließung. Die Schulen, die den angestrebten Verbund bilden sollen, sind Pommelsbrunn-Weigendorf, Happurg-Alfeld, Hersbruck, die Hammerbachtalgruppe (Engelthal-Offenhausen-Henfenfeld) und Velden-Hartenstein-Vorra. Das hört sich nach viel Schulbusverkehr an, was Fritsch allerdings aufgrund bisheriger Erfahrungen für machbar hält. Nicht machbar sei dagegen eine „große Sanierung“ der Hartmannshofer Hauptschule, da es mit Zuschüssen leider nicht geklappt habe.
Da hatten die Räte doch allerhand Fragen. Hermann Kraus wollte wissen, ob Pommelsbrunner Schüler nun auch nach Velden müssten und ob bei den Kosten das Konnexitätsprinzip greife. Man werde versuchen, einen Ausgleich zu finden, so Jenchen und „die Achsen nicht zu weit auszudehnen“. Man gehe allerdings davon aus, dass man alles selber zahlen müsse. Gabi Bleisteiner sprach die Mindeststärken der Klassen an (bisher 15 Schüler), die im Schulverbund unterschritten werden dürfen. Allerdings wären neun Schüler pro Klasse auch eine Frage des Budgets. Karin Pollmer kritisierte die kurze, zur Verfügung stehende Zeit bis zum Sommer und dass man im Ministerium wohl die Zeit „verschlafen“ habe. Das war Jenchen zu „systemisch“, das Schulamt sei lediglich eine nachgeordnete Behörde. Zeitdruck sei keiner vorhanden. Während Renate Scharrer wissen wollte, was von den Gemeinderäten nun konkret erwartet würde (Jenchen: Unterstützung), stellte Christine Linhardt Fragen zur Verteilung der Zweige auf die Schulen (Jenchen: organisatorische Meisterleistung) und Klaus Haas solche zu zusätzlichen Kosten. Die Entscheidungshoheit, z.B. über Verteilung von Klassen, wird wohl bei einem künftigen „Ober-Schulleiter“ liegen. Drexl votierte in einer längeren Rede vehement für die spätere Zustimmung der beiden Ratsgremien, nachdem keine Alternative bestehe. Das letzte Wort hatte Fritsch: Keiner dürfe Verlierer sein.
Helga Manderscheid |